Sprichwörter und Redewendungen

Eine Replik auf die Gemeindenachrichten aus Deutsch Schützen vom 1. Juli 2026 – in Redewendungen und Sprichwörtern

Ausgangspunkt dieser Übung sind die Gemeindenachrichten aus Deutsch Schützen vom 1. Juli 2026. Auf Seite 2 geht es zur Sache. In der ersten Hälfte werden die Beschlüsse des Gemeinderats aufgelistet, in der zweiten folgt eine „öffentliche Mitteilung des Gemeinderats“.

Beginnen wir mit dieser öffentlichen Mitteilung. Darin wird zunächst auf die Wochen rund um die Bürgerbefragung eingegangen. Anschließend werden der offene Brief von Karin Goger und mir erwähnt sowie alle Bürgerinnen und Bürger zu einem wertschätzenden Umgang miteinander und zu einer „differenzierten und sachlichen Auseinandersetzung mit politischen Themen“ aufgerufen.

Weiter unten weist der Gemeinderat Vergleiche mit dem Nationalsozialismus oder historischen Ereignissen – etwa der Abstimmung über den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich – ausdrücklich zurück. Begründet wird dies damit, dass solche Vergleiche historische Verbrechen verharmlosen und darüber hinaus geeignet seien, das Ansehen der Gemeinde und ihrer gewählten Organe schwer zu beschädigen.

Deutsche Sprache schwere Sprache

Bleiben wir einen Moment beim ersten Satz dieser Mitteilung. Dort heißt es: „Die Thematik […] hat sich zu einem emotional geführten Thema entwickelt.“

Der Duden kennt für „Thematik“ im Wesentlichen nur eine Bedeutung: „Thema“. Der Hauptsatz lautet also: „Das Thema hat sich zu einem Thema entwickelt.“ Zu was hätte es sich denn sonst entwickeln sollen? Zu 99 Luftballons?

Es kommt aber noch besser. Das Thema habe sich zu einem „emotional geführten Thema“ entwickelt. Da stellt sich unweigerlich die Frage, was ein „emotional geführtes Thema“ eigentlich sein soll.

Ich behaupte: Ein Thema ist ein Thema ist ein Thema – und sonst gar nichts. Ein Thema kann nicht geführt werden. Schon gar nicht emotional. Hunde kann man führen. Autos ebenfalls. Manche Hunde- und Fahrzeugführer mögen dabei durchaus emotional werden. Hunden unterstellt man diese Eigenschaft gelegentlich, Fahrzeugen eher nicht.
Möglicherweise können Diskussionen über ein Thema emotional geführt werden. Aber wer weiß das schon?

Quod licet Iovi, non licet bovi

Auf Deutsch: „Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt.“

Nach diesem Sprichwort wäre der Bürgermeister – vielleicht sogar der gesamte Gemeinderat – Jupiter, während uns die Rolle des Ochsen zufiele.

Der Gemeinderat ersucht die Bürgerinnen und Bürger um einen wertschätzenden Umgang miteinander, hält sich aber selbst nur in Spurenelementen an diesen Anspruch.

Zur Erinnerung: Die Bildungsinitiative Pinkaboden hat ihre Position durchgehend mit Sachargumenten vertreten. Emotional waren ihre öffentlichen Auftritte jedenfalls nicht.

Ganz anders manche Gegner der Initiative. Deren zentrale Argumente lauteten: „Zuerst nehmen sie uns die Raiffeisen, dann das Lagerhaus und jetzt wollen sie uns auch noch die Volksschule wegnehmen.“

Das zweite Hauptargument war etwas weniger originell und überdies unzutreffend: Der Bildungscampus komme teurer. Die Gemeindeaufsicht gelangt bekanntlich zu einem anderen Ergebnis.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass diese Information bis heute in den Gemeindenachrichten keinen Niederschlag gefunden hat – oder wie immer man dieses Versäumnis nennen möchte.

Lieber Bürgermeister, lieber Gemeinderat: Wenn Euch ein wertschätzender Umgang sowie eine differenzierte und sachliche Auseinandersetzung tatsächlich ein Anliegen sind, dann macht den ersten Schritt. Wir freuen uns darauf und sind – wie bereits mehrfach betont – jederzeit zu einer sachlichen Diskussion bereit.

Ein gebranntes Kind scheut das Feuer

Jetzt aber: Der Gemeinderat verurteilt ausdrücklich einen Vergleich. Das kann man tun. Das Vorgehen und die ganze Argumentation wirken allerdings ein bisserl Dings.

Geschrieben haben wir unter anderem, dass uns das Vorgehen des Bürgermeisters mit dem Abbilden des bereits angekreuzten Stimmzettel an die Art und Weise erinnert hat, wie im Vorfeld der Abstimmung über den „Anschluss“ Österreichs um Zustimmung geworben wurde.

Was sollen wir tun, wenn uns dieses Vorgehen tatsächlich daran erinnert? Sollen wir uns stattdessen an etwas anderes erinnern? Und: Wie soll das gehen?

Sollen wir uns etwa daran erinnern, dass die Nationalsozialisten in Deutsch Schützen seinerzeit den Wechsel des Bezirks von Güssing nach Oberwart betrieben und sich mit ihrem Anliegen schließlich durchsetzten? Selbst nach der Befreiung wollten die Deutsch Schützener bei Oberwart bleiben und haben sich gegen die kroatisch sprechenden Ortsteile durchgesetzt. Historisch ist das zutreffend, für unsere Assoziation jedoch völlig ohne Bedeutung.

Man könnte den Gedanken auch umdrehen.

Ich könnte mich beispielsweise dagegen verwahren, dass die Gemeinde öffentliche Mittel mit bemerkenswerter Großzügigkeit ausgibt: für die direkte und indirekte Förderung der „Ratschen“, für Investitionen in das Komm-Zentrum, die Halle am Eisenberg, für die Sanierung der Volksschule (ein totes Pferd kann man nicht reiten, heißt es), die Finanzierung von Gehsteigen von Kindern der Parteifreunde und für manches mehr.

Würde mir deshalb jemand die Gemeindeabgaben erlassen? Mir gar Steuern zurückzahlen?

Wohl kaum. – Selbst dann nicht, wenn ich versprechen würde, mir bei künftigen Kommentaren zu Schildbürgerstreichen der Gemeindepolitik nach Möglichkeit andere Vergleiche einfallen zu lassen? Echt! Das würde ich tun! Großes Indianer-Ehrenwort. Wie wäre das? Haben wir einen Deal?

Ich kann es natürlich auch weniger prosaisch formulieren: Wer historische Vorgänge kennt, erkennt Ähnlichkeiten. Das ist keine Gleichsetzung und schon gar keine Verharmlosung, sondern Ausdruck historischer Wachsamkeit. Wer kann da was dagegen haben?

„Von welchem Gerüst bist du denn gefallen?“

Diesen Satz verdanke ich einem meiner Ausbildungsleiter. Er geriet einst mit einem Taxifahrer aneinander, der ihn beinahe über den Fuß gefahren wäre. Es kam zu einem kleinen Wortwechsel. Mein Ausbildungsleiter: „Von welchem Gerüst bist du denn gefallen?!“ Ein blaues Auge war die die Antwort, Gerichtsverhandlung, Strafe, Schadenersatz, das ganze Programm waren die weiteren Folgen.

Diese Frage mit dem Gerüst könnte ich euch jedes Mal stellen, wenn wieder einmal ein Versprechen gegeben und anschließend vergessen wird.

War nicht unmittelbar nach der Bürgerbefragung davon die Rede, Gräben zuschütten und aufeinander zugehen zu wollen?

Ich meine, mich daran zu erinnern.

Wann genau beginnt dieser Prozess? Wer macht den ersten Schritt? Wie soll dieses Miteinander konkret aussehen?

Die Frage mit dem Gerüst hätte sich allerdings schon früher gestellt – nämlich in dem Moment, als die Idee einer Bürgerbefragung überhaupt aufkam.

Wo war die Bürgerbefragung, als die Schulen in Edlitz, St. Kathrein und Eisenberg geschlossen wurden?

Wer kam auf die Idee, ausgerechnet die Großelterngeneration telefonisch davon zu überzeugen, gegen ein Projekt zu stimmen, das in erster Linie ihren Enkelkindern zugutekommen soll?

Überall da könnte sich die Frage fast von selbst aufdrängen: Von welchem Gerüst seid ihr eigentlich gefallen?

Oder darf diese Frage auch nicht gestellt werden?

Ein kleiner Hinweis in eigener Sache, bevor mir jemand vorwirft, ich würde den Gemeinderat oder den Bürgermeister despektierlich kommentieren: Die vorstehenden Fragen stehen im Konjunktiv beziehungsweise als rhetorische Fragen. Der Konjunktiv beschreibt Möglichkeiten, keine Tatsachen; wie in: Wenn ich das Haus verlassen möchte, könnte ich beispielsweise mit dem Kopf voran aus dem Fenster springen. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass ich die Haustür benutze.

Ich halte es nach wie vor für richtig, in der Sache hart zu argumentieren und im Ton verbindlich zu bleiben.

Deshalb verspreche ich, (auch weiterhin) weder den Gemeinderat noch den amtierenden oder den designierten Bürgermeister persönlich herabzusetzen – und selbstverständlich werde ich niemanden ernsthaft fragen, von welchem Gerüst er gefallen sei. Das bin ich mir und meinem Vater schuldig: Als ich noch Zögling war und er von den Lehrkräften darauf hingewiesen wurde, der Bub wäre „wieder einmal frech“ gewesen, hat er mich in der Folge stets streng ermahnt: „So geht man nicht mit Personal um. – Benimm dich!“ Das muss irgendwie hängen geblieben sein.

Chuzpe – oder: drskost

Jetzt, wo wir schon bei möglichen Folgen eines Sturzes aus größerer Höhe sind.

Es liegt nahe anzunehmen, dass wiederholte Landungen auf dem Kopf das Denkvermögen sagen wir mal nicht unbedingt fördern. Ähnliches gilt für den langjährigen Konsum erheblicher Mengen Alkohols. In beiden Fällen sollen Gehirnzellen verloren gehen.

Und doch bringt ein derart strapaziertes Gehirn bisweilen Gedanken von bestechender Schlichtheit hervor.

Ein Beispiel? Und damit wären wir schon bei der ersten Hälfte der Seite zwei jener Gemeindenachrichten.

Man kann sich in einer Versammlung dafür feiern lassen, eine Zusammenarbeit erfolgreich verhindert zu haben – und wenige Minuten später erklären, nun müsse man eben mit genau jenen Gesprächspartnern über künftige Kooperationen nachdenken, die man soeben noch vor den Kopf gestoßen hat.

Das muss man erst einmal zusammenbringen.

Charmant formuliert könnte man das auf Jiddisch Chuzpe nennen. Im Kroatischen gibt es dafür keine ganz deckungsgleiche Entsprechung. Am ehesten trifft es wohl drskost – eine Mischung aus Dreistigkeit, Unverfrorenheit und Selbstgewissheit.

Oder, um es mit einem abgewandelten Sprichwort zu sagen:
„Auf hoher See und vor Gemeinderatsbeschlüssen ist man in Gottes Hand.“

Hinweis: Sie fragen sich vielleicht, wie ich vom Sturz aus großer Höhe zu Chuzpe komme? Assoziationskette ist die kurze Antwort.
Sollte darüber hinaus der Eindruck entstanden sein, ich würde unterstellen, Mitglieder des Gemeinderates wären entweder auf den Kopf gefallen oder hätten ein Alkoholproblem: Diesen Eindruck möchte ich auf keinen Fall erzeugen. Es ist ein Stilmittel, das der „Theorie der geschlossenen Gestalt“ folgt. Demnach suchen wir Erklärungen in Dingen, die nicht in den Dingen liegen. Kinder können zum Beispiel in Wolkenformationen Gesichter erkennen oder Tiere. Auf der anderen Seite: „Den Inhalt einer Botschaft bestimmt immer der Empfänger, niemals der Sender.“ (Heinz v. Förster)

Leere Fässer machen den größten Lärm

Dieses Sprichwort drängt sich auf, wenn man den Eindruck hat, dass es in unserer Gemeinde deutlich wichtigere Themen zu besprechen gäbe als einen offenen Brief.

Zu diskutieren gäbe es beispielsweise die Überalterung der Gemeinde und die Schlussfolgerungen, die sich daraus für eine verantwortungsvolle Kommunalpolitik ergeben.

Ebenso könnte man die Idée fixe einer Tourismusregion hinterfragen. Wie lange soll diese Vorstellung noch verfolgt werden? In der Großgemeinde gibt es kaum etwas, das einen Tourismus von nennenswertem Ausmaß erkennen lässt oder gar die Bezeichnung eines „touristischen Leitbetriebs“ rechtfertigt. Klar gibt es Tourismus. Tagesgäste. Wer länger als drei Tage bleibt, bekommt einen Lagerkoller oder einen Sonnenstich, wenn er auf einen der asphaltierten „Wanderwege“ lustwandelt.

Oder nehmen wir die Frage der möglichen Asbestbelastung. Meiner Beobachtung nach liegt auf zahlreichen Feldwegen, Forststraßen und Hauseinfahrten Schottermaterial, das vermutlich aus einem der stillgelegten Steinbrüche stammt. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wäre das ein Thema von erheblicher Tragweite – und eines, das deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient als ein offener Brief.

Eine Frage hätte ich noch …

Wer kennt’s? Columbo. Genau.

Schon im Hinausgehen dreht er sich noch einmal um. „Eine Frage hätte ich noch …“ Meist war es genau diese letzte Frage, die den Fall ins Rollen brachte.

Also gut. Eigentlich habe ich sogar zwei. Zwei Fragen.

Erstens: Was geschieht mit den knapp 25 Prozent der Wählerinnen und Wähler, die für den Bildungscampus gestimmt haben?

Zweitens: Wozu gibt es einen Gemeinderat mit drei Parteien und einem Unabhängigen, wenn am Ende ohnehin immer alle derselben Meinung sind?

Bleiben wir zunächst bei der ersten Frage.

Knapp 67 Prozent der Wahlberechtigten haben an der Bürgerbefragung teilgenommen. Rund ein Viertel davon hat für den Bildungscampus gestimmt. Glaubt wirklich jemand, diese Menschen würden sich mit Schweigen, Aussitzen und Gras-darüber-wachsen-Lassen zufriedengeben?

Ich hätte da meine Zweifel.

Wäre ich betroffener Elternteil, wäre ich alles andere als begeistert. Da könnte der Vizebürgermeister noch so oft von Haus zu Haus gehen und versprechen, was künftig alles besser werden wird.

Wie heißt es so schön:

Nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten sollt ihr sie messen.

Dazu kommen drei Unbekannte:

Erstens: Wer von den Nein-Sagern wird bei der nächsten Gemeinderatswahl tatsächlich zur Wahl gehen?

Zweitens: Wie werden sich jene 23 Prozent verhalten, die diesmal überhaupt nicht abgestimmt haben?

Und drittens: Wird Deutsch Schützen tatsächlich einen Bürgermeister wählen, der nicht aus den eigenen Reihen stammt? Man hört, manche wären in dieser Sache eigen…

Er müsste wohl über das Wasser gehen, Blinde sehend und Lahme gehend machen. Dann hätte er vielleicht eine realistische Chance. Wenn er dann noch singen und tanzen könnte … dann, ja dann, würden ihn vielleicht sogar Tiere wählen (ist auch ein Zitat, übrigens).

Obwohl …

In der Gemeindepolitik geschehen bekanntlich manchmal Dinge, die selbst Wunder alt aussehen lassen. So könnte es vorkommen, dass ein 80jähriger Opi mit einer eigenen Liste zur Wahl antritt und, wie es unser aktueller Vizekanzler so schön auf dem berühmten Parteitag mit der Excel-Liste formuliert hat, „das Match dreht“.

Pappkameraden aller Länder …

Meine zweite Frage beschäftigt mich allerdings noch mehr.

Wozu gibt es einen Gemeinderat, wenn dort kaum sichtbar diskutiert wird, sondern Beschlüsse gerne einstimmig gefasst werden?

Man fühlt sich bisweilen an jene Parlamente erinnert, deren Abstimmungsergebnisse schon vor Sitzungsbeginn feststanden. (Können Sie spontan 10 Parlamente nennen, wo das passiert? Die Auflösung kommt mit dem nächsten Beitrag [vielleicht].)

Vielleicht könnte man den Gemeinderat künftig überhaupt durch Pappkameraden ersetzen.

Per Knopfdruck heben sie die Hand, schütteln den Kopf oder nicken zustimmend. Je nach Tagesordnung.

Mit den heutigen technischen Möglichkeiten ließe sich das sogar vollständig digitalisieren.

Ein einziger Prompt genügt:

„Erzeuge eine lebhafte Gemeinderatssitzung mit sachlicher Diskussion, überwiegend einstimmigen Beschlüssen und gelegentlichem Kopfnicken.“

Der Bildgenerator erledigt den Rest, die Sitzung wird live gestreamt – und währenddessen kann der Bürgermeister, oder wer gerade das Sagen hat, den Abend ganz entspannt bei einem Glas Wein ausklingen lassen.

Oder sich von einem Gerüst fallen lassen. Aber das ist eine andere Geschichte …